Im Spätherbst 1908 läutete die Dresdener Hausfrau
Melitta Bentz ein neues Kaffeezeitalter ein: Sie erfand
den Melitta-Filter. Seither gehört der Satz in
der Kaffeetasse der Vergangenheit an. Nur noch Wahrsagerinnen
sehen in ihm die Zukunft.
Wie so vielen ihrer Zeitgenossen hatte bis dato ein
bitterer Nachgeschmack auch Melitta Bentzens Kaffeefreuden
getrübt. Man pflegte damals eben entweder das gemahlene
Kaffeepulver einfach ins Wasser zu schütten, das
Ganze aufzubrühen und dann durch ein gemeines Sieb
zu filtern, oder aber man goss den Sud durch immer denselben
muffigen Kaffeebeutel, was begreiflicherweise dem Aroma
nicht gerade förderlich war.
Eines schönen Tages beschloss Frau Bentz, der Sache
auf den Grund zu gehen. Sie brütete eine Weile
über ihrer Kaffeekanne - und plötzlich hatte
sie die Lösung gefunden. Bei ihrem Sohn Willy borgte
sie sich ein Löschblatt. Mit Nagel und Hammer durchlöcherte
sie siebartig den Boden eines alten Messingtopfs und
schnitt dann das Löschpapier so zu, dass es in
den Topf passte. Rasch war Kaffeepulver daraufgeschüttet
und siedendes Wasser darübergegossen. Langsam tropfte
die braune Brühe in die untergeschobene Kanne.
Tatsächlich: Das Getränk erwies sich als absolut
satzlos und von klarer, tiefbrauner Färbung. Und
erst das Aroma!
Melitta Bentz und ihr Gatte Hugo, hocherfreut ob der
geglückten Erfindung, waren sich bald einig, dass
auch der Rest der kaffeetrinkenden Menschheit an ihrem
Kolumbusei teilhaben sollte. Zielstrebig nahm der Herr
des Hauses das weitere in die Hand.
Rechtzeitig zu Weihnachten 1908 gründeten Melitta
und Hugo Bentz ihre Firma. Im Jahr darauf stellten die
Bentzens ihren Filter auf der Leipziger Messe aus -
mit durchschlagendem Erfolg. Aus allen Teilen des Reichs
hagelte es Aufträge. Die Produktionsräumlichkeiten
mussten erweitert, neue Maschinen angeschafft und mehr
Arbeitskräfte eingestellt werden.
Nach dem Weltkrieg (1925) ging der Aufstieg der Firma
Bentz unaufhaltsam weiter. Das Unternehmen blieb lange
Zeit konkurrenzlos.
Zwar mussten die Melitta-Werke der Familie Bentz nach
dem Zweiten Weltkrieg nochmals ganz unten anfangen,
sind jedoch die Melitta Werke heute mit über 10.000
Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehreren Milliarden
Mark weltweit die Nummer eins auf dem Kaffezubehörmarkt
- wie schon damals vor gut einem Dreivierteljahrhundert.
Quelle:
Buch: Dauerbrenner; Von Dingen, die perfekt auf die
Welt kamen
Autor: Joerg Aeschbacher; Verlag: Ullstein Sachbuch
ISBN: 3-548-35390-8